Das Kreuz, Zentrum des christlichen Glaubens – John STOTT

John Stotts (1921-2011) Buch Das Kreuz, Zentrum des christlichen Glaubens erschien 2009 in deutscher Übersetzung als Taschenbuch beim Francke Buchhandlung Verlag. Es wendet sich an den besonnenen Leser, der sich mit einer oberflächlichen und beschränkten Sehweisen nicht zufrieden gibt und seine Kenntnis einer grundlegenden Wahrheit seines christlichen Glaubens gern vertiefen möchte.
Der Verfasser, ein christlicher Theologe, Seelsorger und Staatsmann, hat die Lehre des Kreuzes auf eine besonders klare und umfassende Art in einem selbst in der Übersetzung angenehm zu lesenden Stil dargestellt. Das Thema hat er auf Grund der ganzen Heiligen Schrift und mit Bezug auf die Theologiegeschichte und auf die systematische Theologie behandelt, ohne klare Anwendungen auf den christlichen Alltag zu vergessen, und zwar sowohl im Verlauf der Kapitel als auch im letzten Teil des Werks.
Jesu Christi Kreuz, so könnte man sagen, ist doch eine ganz einfache Sache: man braucht es nur als eine Wirklichkeit anzusehen, an sein Wirkungsvermögen auf unser Leben zu glauben, seine geistlichen Segnungen zu empfangen und dessen Folgerungen auf sein chritliches Leben anzuwenden. Beschränkt man aber sein Verständnis des Kreuzes auf einige Grundsätze, auch wenn sie richtig sind, ohne sie in eine feste Lehre zu entwickeln und zu vertiefen, verfällt man dann nicht in einen schalen Glauben und in eine leichtfertige Praxis, mit dem zusätzlichen Risiko, von seiner genauen Bedeutung und seinen eigentlichen Auswirkungen abzuweichen?

Das Werk besteht aus vier Hauptteilen:

1.“Ein erster Zugang zum Kreuz” vertieft die Überlegung ûber die Ursachen des Todes Jesu.

2. “Im Herzen des Kreuzes”stellt die Frage der Sünde und der Heiligkeit Gottes: der Mensch braucht Vergebung, Gott braucht Genugtuung, mit der Lösung der Selbstvertauschung durch Gott selbst.

3. “Das am Kreuz vollbrachte Werk” erläutert und führt Konzepte aus wie z.B.: stellvertretendes Opfer, Erlösung, Rechtfertigung, Versöhnung… Gottes Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe, Überwindung des Übels und Sieg Christi.

4. “Unter dem Kreuz leben” führt die praktischen Anwendungen der Kreuzeslehre aus, sowohl im alltäglichen Leben des Einzelnen wie auch in der christlichen Gemeinschaft.

Die vorliegende Rezension behandelt die beiden ersten Teile.

Die zentrale Bedeutung des Kreuzes

Wer die christliche Kultur nicht kennt und auf Spuren des Kreuzes in der Malerei und in der religiösen Baukunst, in den Zeremonien mit ihren Symbolen stöβt, wird sich fragen, warum alles zentral zum Kreuz hinführt.
John Stott erklärt die Wahl einiger christlicher Symbole.

Das Sinnbild des Fischs, IXTHUS = Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser

• I(I, Iota) : Ἰησοῦς / Iêsoûs (« Jesus »)
• Χ(KH, Khi) : Χριστὸς / Khristòs (« Christus »
• Θ(TH, Thêta) : Θεοῦ / Theoû (« Gottes »)
• Υ(U, Upsilon) : Υἱὸς / Huiòs (« Sohn »)
• Σ(S, Sigma) : Σωτήρ / Sôtếr (« Erlöser ») (nach Wikipedia)

war das Erkennungszeichen der Frühchristen.

Für die Kirchenväter, jene Theologen, die die christliche Lehre gegen die Irrlehren der ersten Jahrhunderte ausgearbeitet haben, war das Kreuzzeichen keine Aberglaubenhandlung. Es bedeutete, dass der Gegenstand oder die Tat, auf die das Kreuz angerufen wurde, tatsächlich als Christo gehörend geheiligt wurde.
Im Altertum war die Kreuzigung… die schändlichste Strafe. Die Barbaren hatten sie erdacht und sie wurde von den Griechen und den Römern übernommen,… die ihre Mitbürger gewöhnlich davon freistellten. Für Juden lag Gottes Fluch auf dem gekreuzigten Verbrecher.

Den Toten dürft ihr nicht über Nacht auf dem Pfahl hängen lassen. Ihr müsst ihn noch vor Sonneuntergang begraben, denn wer am Holz hängt, ist von Gott verflucht und bringt Unheil über das Land. Ihr sollt das Land nicht verunreinigen, das der Herr, euer Gott, euch gegeben hat (5. Mose 21.23).

Mit Karikaturen und Graffiti haben die Feinde des Christentums das Konzept verspottet, dass man einen gekreuzigten Menschen anbeten könne.

Das Kreuz steht im Mittelpunkt des Auftrags Christi

Von Gott, seinem Vater, wurde Jesus ein besonderer Auftrag aufgegeben : die Sünder mit Gott durch seinen Tod und seine Auferstehung versöhnen. Er hat sich also freiwillig zum Gehorsam und zum Leiden verpflichtet.
Nachdem Jesus Petrus bezeugen gehört hatte, das er der Messias ist, offenbart er seinen Jüngers den Zweck seines Daseins.

“Und ihr”, wollte Jesus wissen, “für wen haltet ihr mich?” Da sagte Petrus: “Du bist Christus, der versprochene Retter!” Jesus aber schärfte ihnen ein, mit niemand darüber zu reden (Markus 8.29-30).

Er kündigt ihnen offen sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung an :

Der Menschensohn wird vieles erleiden müssen. Die Ratsältesten, die führenden Priester werden ihn aburteilen. Man wird ihn töten, doch nach drei Tagen wird er auferstehen (Markus 8.31).

Dasselbe wird er noch zwei andere Male ansagen: in Galiläa und bei seiner Ankunft in Jerusalem.

Eine erstaunliche Entschlossenheit

In dieser dreifachen Ankündigung der Passion ist das Merkwürdigste nicht der Verrat durch sein Volk,… der Tod und dann die Auferstehung, auch nicht seine Bezeichnung als Menschensohn, der leiden und sterben sollte. Es ist Jesu Entschlossenheit, seine freie Wahl, all das vollzuführen, was über ihn geschrieben stand.

Sie waren unterwegs hinauf nach Jerusalem. Jesus ging vor seinen Jüngern, die unruhig waren, und die, die mit ihnen gingen, hatten Angst. Jesus nahm die zwölf beiseite und sagte zu ihnen: “Hört zu! Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird alles eintreffen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben. Er wird den Fremden übergeben, die Gott nicht kennen. Sie werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn beleidigen und anspucken. Sie werden ihn auspeitschen und töten, doch am dritten Tag wird er auferstehen (Markus 10.32-34, siehe Matthäus 20.17-19; Lukas 18.31-34).

Ein Tod, der einem genauen Vorsatz entspricht

Jesus wusste, dass sein gewaltsamer, vorzeitiger Tod einen genauen Vorsatz ausführte. Sterben würde er wegen der Feindschaft der jüdischen Machthaber seiner Zeit.

Da verlieβen die Pharisäer die Synagoge. Sie trafen sich sogleich mit den Parteigängern von Herodes und sie wurden sich einig, dass Jesus sterben müsse (Markus 3.6).

Jedoch nicht vor dem von Gott festgesetzten Zeitpunkt. Nach seiner Predigt in der Synagoge Nazarets

sprangen sie auf und trieben Jesus aus der Stadt hinaus bis an den Rand des Berges, auf dem Nazaret liegt. Dort wollten sie ihn hinunterstürzen. Aber Jesus ging unbehelligt mitten durch die Menge hindurch und ging weiter (Lukas 4.29-30).

Er würde “dem Schicksal gemäβ sterben, das dem Messias durch die Schrift zugeschrieben ist”, die den Tod mit der Auferstehung und das Leiden mit der versprochenen Herrlichkeit verbindet.

Da sagte Jesus zu ihnen: « Was seid ihr doch blind ! Wie schwer tut ihr euch zu glauben, was die Propheten vorausgesagt haben! Der versprochene Erretter musste doch erst dies alles erleiden, um zu seiner Herrlichkeit zu gelangen!” Und Jesus erklärte ihnen die Worte, die sich auf ihn bezogen, von den Büchern Moses und den Propheten angefangen durch alle heiligen Schriften (Lukas 24.25-27).

Drei Worte am Kreuz stammen aus den Psalmen

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum hörst du nicht, wie ich schreie, warum bist du so fern? (Psalm 22.2).

Statt Nahrung haben sie mir Gift gereicht, und Essig angeboten, um meinen Durst zu löschen (Psalm 69.22).

Ich gebe mich ganz in deine Hand, du wirst mich retten, Herr, du treuer Gott! (Psalm 31.6).

Diese Worte schildern das Leiden des unschuldigen Opfers, das sein Vertrauen auf Gott setzt.

Die Leiden des Menschensohns und Jesaja 53

Jesu Aussagen über die Leiden des Menschensohns (Markus 8.31), der nicht kam, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben (Markus 10.45), führen zu Jesaja 53.
Dort wird Gottes Beauftragter als ein von allen verachteter und gemiedener Mensch beschrieben, denn er war von Schmerzen und Krankheit gezeichnet (Jesaja 53.3), wegen unserer Schuld gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen …(Jesaja 53.5)…; er wird viele von ihrer Schuld befreien (Jesaja 53.11).

Ein freiwillig gewählter Tod,…

Er würde vor allem sterben, weil er freiwillig gewählt hatte, diesen Auftrag… seines Vaters zu übernehmen, um die Sünder zu erlösen.

Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben (Markus 10.45).

…der Gottes Vorsatz erfüllt

Den Aposteln zufolge, die schon eine klare Vorstellung von dem hatten, was Jesu Tod mit einschloss, erfüllt dieser durch die Bosheit der Menschen verschuldete Tod Gottes Erlösungsplan.

Und doch habt ihr Jesus durch Menschen, die Gott nicht kennen, ans Kreuz schlagen lassen. Aber so hatte Gott es vorherbestimmt. Er hat ihn auch aus der Gewalt des Todes befreit und wieder zum Leben erweckt; der Tod konnte ihn unmöglich gefangen halten (Apostelgeschichte 2.23-24).

Die Apostel predigen das Kreuz

Die Verkündigung des Kreuzes durch die Apostel hat feste biblische Grundlagen. Die apostolische Botschaft hat sowohl den Tod als die Auferstehung als Inhalt.
So predigt z. B. Paulus über einen gekreuzigten Jesus:

Ich hatte mir vorgenommen, euch nichts Anderes zu bringen als Jesus Christus, und zwar Jesus Christus, den Gekreuzigten (1. Korinther 2.2).

Petrus bezeichnet den Herrn als den, der unsere Sünden getragen hat und dies an unserer Stelle:
Alle unsere Sünden hat er am eigenen Leib ans Kreuz hinaufgetragen. Damit sind wir von den Sünden befreit und können nun für das Gute leben. Denkt daran: “Durch seine Wunden sind wir geheilt worden” (2. Petrus 2.24).

Der Hebräerbrief hebt seine absolute Vormachtstellung hervor:
Nachdem er ans Ziel gekommen ist, kann er nun alle, die ihm gehorchen, für immer retten (Hebräer 5.9).

Ganz besonders schildert ihn die Offenbarung als den Herrn der Geschichte, der von den himmlischen Wesen angebetet wird:

Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel aufzubrechen ! Denn du wurdest als Opfer geschlachtet, und mit deinem vergossenen Blut hast du Menschen für Gott erworben, Menschen aus allen Sprachen und Stämmen, aus allen Völkern und Nationen (Offenbarung 5.9).

Das Kreuz im Mittelpunkt behalten und Jesus Christus weiterhin treu anhängen

Den Glauben vom Werk am Kreuz als Mittelpunkt abwenden, tötet die Gemeinde (Forsyth, ein englischer Theologe des Anfangs des 20. Jhts). Das Kreuz ist das eizige Wahrzeichen des christlichen Glaubens (Emil Brunner, ein deutscher Theologe des Anfangs des 20. Jhts)

Wörtliche und ungefähre Zitate John Stotts werden kursiv geschieben.

Fortsetzung folgt

C. S.