Johannes der Täufer als Wegbereiter für den Messias

In der Adventszeit, vor Weihnachten, denken wir gern an einige « wartende » Personen, die den Messias erwarteten :

– Zacharias und Elisabeth, zwei vor Gott rechtschaffene Leute, ein Ehepaar, das nicht mehr hoffte, jemals ein Kind zu bekommen ;
– Simeon, der Gottesfürchtige, der « auf den Trost Israels wartete » und auf den der Heilige Geist gekommen war ;
– Hanna, eine 84 Jahre alte Dame, eine Witwe und eine Prophetin, die, wie uns Lukas berichtet, « in ihrer Erwartung » den Tempel nicht mehr verließ und Tag und Nacht mit Fasten und Gebet am Gottesdienst teilnahm ;
– und sicher noch manche andere, die in der Erwartung des Messias die Verheißungen der Propheten nachlasen.

Verweilen wir also bei einem kurzen Abschnitt des Matthäusevangeliums, der die Anfänge von Jesu Wirken betrifft.

Johannes der Täufer, der Vorläufer und Wegbereiter des Herrn

Es handelt sich um Johannes, den Sohn des Zacharias und der Elisabeth, den Wegbereiter des Herrn, der die Volksscharen in der Wüste tauft und der in Jesus Gottes Lamm erkannt hat, das die Sünde der Welt tilgt. Dieser Mann ist etwas Besonderes, ein ganz großer unter den Propheten, wie Jesus sagen wird.

Er erkennt ganz deutlich, dass Jesus Gottes Sohn ist (Johannes 3.34). Er aber ist nur der Vorläufer, der den Weg und die Herzen auf den Empfang des Retters der Welt vorbereitet.

Im Johannes-Evangelium bestimmt Johannes der Täufer seine eigene Rolle, sowie die von Jesus mit einem Bild. Er ist nicht der Messias, er ist derjenige, der ihn ankündigt, er ist der Freund des Bräutigams, wie er sich im 3. Kapitel des Evangeliums bezeichnet. Er freut sich auf den Bräutigam, auf Jesus.

Er hat Gott erkannt, er ist ihm begegnet und nun ist seine Freude vollständig. Er lässt Jesus den vollen Platz, wie einer, der im ersten Teil eines Konzerts auftritt. Er bringt den Saal in Schwung für den Star, der nach ihm kommt. Er spielt eine wichtige Rolle : für eine kurze Zeit lässt er die Zuhörer gedulden, die eigentlich dem Sänger oder der Starsängerin zuhören wollen, er bringt sie in Stimmung, so dass sie aufnahmebereit werden für das, was folgen wird. Das ist sein Haupttalent, jeder hat seinen Platz, jeder spielt seine zugedachte Rolle !

Für Johannes den Täufer war es wohl leicht, in Jesus den Messias zu erkennen, das heiβt denjenigen, den Gott gesandt hat, um den Menschen entgegenzukommen, denn es hatte ja ein eigentliches Treffen von Angesicht zu Angesicht gegeben. Dennoch berichtet uns der Evangelist Matthäus folgendes Geschehen (Matthäus 11.2-6) : 

Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken des Christus hörte, sandte er zwei seiner Jünger und ließ ihm sagen: Bist du derjenige, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt, und Armen wird das Evangelium verkündigt. Und glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir! 

Zuerst Begeisterung, dann Zweifel

Bei Johannes dem Täufer weichen die Begeisterung der ersten Begegnungen und die anfänglichen Sicherheiten dem Zweifel. Auf eine unbequeme Predigt hin, sitzt er zur Zeit in einem finsteren Gefängnis. So viele Worte und Taten hatten Johannes in seiner Überzeugung gestärkt, dass Jesus tatsächlich der erwartete Messias ist.

Jetzt aber ist er nicht mehr ganz sicher. Er kann nicht mehr auf Grund von Tatsachen entscheiden, da er eingesperrt ist und seine Freiheit verloren hat. Darum sagt er zu seinen Jüngern, dass sie die Frage dem Betreffenden direkt stellen sollen :

« Bist du der Messias ? »

Wer ist dieser Jesus ? Die Frage des Johannes ist unerwartet, hat er doch sein ganzes Leben dazu verwandt, den Weg für Jesus zu bereiten , der mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen wird. Johannes hat den Glauben nicht verloren. Jesus sagt von ihm, dass er der gröβte unter den Propheten ist (V. 11). Johannes hatte den kommenden Messias als einen Richter vorgestellt (Matthäus 3.7-12). Im Gefängnis, wohin ihn seine radikale Predigt und seine Kompromisslosigkeit gebracht haben, denkt er nun über Jesu Handeln nach und fragt sich, ob der angekündigte Richter noch kommen wird. Johannes ist unschlüssig, er zweifelt, hat er sich getäuscht ? In seiner Zelle denkt Johannes nach : er erinnert sich an die Zeit am Jordan, an die Menge Leute, die ihm zuhörten, an die Taufen,… an die Bekehrungen. Er hat den Messias erkannt und war bereit, vor ihm zurückzutreten. Und nun, in seinem finsteren Gefängnis, stellt er sich eine Unzahl von Fragen.

Die Botschaft des Täufers war voller Feuer und Flamme (Matthäus 3.7). Den Pharisäern und Sadduzäern, die ihm zuhören wollten, sagte er : (Mt 3.7-10) 

Als er aber viele von den Pharisäern und Sadduzäern zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, ihr könntet dem zukünftigen Zorn entfliehen? So bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind! Und denkt nicht, bei euch selbst sagen zu können: „Wir haben Abraham zum Vater“. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken! Es ist aber auch schon die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen!

Kommt Johannes in Verwirrung, weil dieser Messias das Land durchzieht und zu den Mengen spricht, ohne aber die Macht zu ergreifen, sich als Richter aufzustellen, die Zornesgeiβel zu schwenken… Ein Jesus, der nicht mit den Theologen Jerusalems verkehrt.

Des Täufers Botschaft ist voller Heftigkeit… Jesu Botschaft klingt voller Sanftmut für dir Ausgegrenzten, die vom Leben Verletzten, die Behinderten.

Bemerkenswert ist, dass Johhannes nicht als einziger in Zweifel geriet. Petrus, Thomas, der Prophet Elia, der Psalmist, Hiob und noch so viele andere haben irgendwann in ihrem Leben gezweifelt.

Bist du der Messias oder sollen wir auf einen anderen warten ? 

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