Gott der Vater im Himmel

Die Szene spielt im Himmel. Gott der Vater sitzt auf seinem Thron, herrlich, blendend schön und mit seinem eigenen Licht umflutet. Um ihn herum stehen zwölf Legionen Engel in Schlachtordnung, bereit auf Befehl einzugreifen.

Todesangst des Sohns auf dem Ölberg

Auf Erden spielt sich nämlich etwas Entscheidendes ab : in der Stille eines Gartens, unter den Olivenbäumen, schickt sich der geliebte Sohn an, sein Leben für das Heil der Welt wie geplant dahinzugeben. Bangigkeit und Trauer überwältigen ihn aber so sehr, dass er lange mit seinem Vater verhandelt : « Ich werde es niemals schaffen, …gibt es wirklich keine andere Lösung, …muss es wirklich so weit kommen ?… »

« Nicht was ich will, sondern was du willst. »

Seine Tränen und seine Seufzer dringen bis zum Herzen des Vaters. Die Engel aber warten auf ein Zeichen von ihm, auf eine Handbewegung, eine einzige und schon würden sie hervorstürmen und ihren verehrten Herrn aus seinem schrecklichen Schicksal herausreissen. Gott der Vater aber rührt sich nicht, ein heftiger Kampf spielt sich in seinem Herzen ab. Sein Blick wechselt zwischen seinem vor Schrecken zitternden Sohn und der ganzen Menschheit, der vergangenen, der gegenwärtigen und der kommenden, die durch die Macht der Sünde von seiner Liebe getrennt ist. Auf seinen grossen Widerherstellungs- und Heilsplan kann er nicht verzichten. In tiefem Leid kann er nur einen Engel zu Jesus schicken, um ihn zu ermutigen. Und endlich kann Jesus sagen : « Nicht was ich will, sondern was du willst, Vater ! »

Die grausamste Hinrichtung

Die Ereignisse folgen wie vorgesehen aufeinander. Von seinem Thron aus wohnt der Herr jetzt dem Schauspiel der schrecklichsten Hinrichtung bei. Die auf Jesus hagelnden Schläge, die Schmach, der Spott, die Erschöpfung, der Schrecken vor dem aufgerichteten Kreuz und der furchtbare Schmerz der ins Fleisch geschlagenen Nägel, all das empfindet der Vater selbst und bebt vor Entzetzen. Um ihn stehen die Engel erstarrt : ein einziges Wort von ihm und schon wäre ihr Herr von diesem fürchterlichen Ende erlöst !
Sein Blick dringt durch die Grenzen des Sichtbaren hindurch und entdeckt im Reich der Finsternis die Welt der bösen Geister, die jubeln, grinsen und sich darauf vorbereiten, Satans Sieg zu feiern. Der Vater lässt es nicht zu, dass dieser über der von ihm so sehr geliebte Welt regiert.

Der Sohn trägt den Fluch der Sünde

Nach mehreren endlosen Stunden hält er es nicht mehr aus, er verlässt seinen Thron und geht weg. Soeben ist das Schlimmste geschehen : alle Sünden der Welt, alles Leid, alle Krankheiten haben seinen so sehr geliebten Sohn unter ihrer Last zermalmt. Und so wird sein Sohn in seinen Augen verflucht : Gottes Heiligkeit kann seinen Anblick nicht ertragen und er wendet sich ab. Selbst die Schöpfung reagiert auf das hervorstehende Ende dessen, durch den alles besteht : die Erde erbebt, der Himmel wird finster… Jesu Schrei, den er in einem letzten Atemzug ausstösst, trifft den Vater mitten ins Herz : « Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ? » Und der allmächtige Gott ist zutiefst erschüttert.

Gottes Ruhm : er opfert seinen Sohn

Nach einer langen Weile ertönt auf einmal ein Summen in den Engelreihen, ein leises Säuseln durch die Bewegung der Scharen. Ein kurzes Schweigen und auf einmal erklingt im Himmel des Himmels die schönste Musik, das herrlichste Lied, das dort oben je gesungen wurde.
Soeben haben die Engel das seit der Schöpfung der Welt verborgene und endlich enthüllte Geheimnis ergründet : also hat der Vater die Welt geliebt, dass er seinen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben erhalte. Jesus ist Gottes Lamm, das für die Sünden der Welt geopfert wurde.
Gottes Herrlichkeit bestand darin, dass er seinen Sohn opferte.

Der Ruhm des Sohns : er opfert sein Leben.

Während dieses Loblied zum Ruhm des Lammes erschallt, wendet sich der Vater um, er kommt mit einem Lächeln zurück. Sein verborgener Plan ist der Welt endlich geoffenbart. Sein geliebter Sohn hat seinen Auftrag vollführt. Alles ist vollbracht, vollkommen ausgeführt.
Er weiss, dass er einige Tage später einen Engel senden wird, damit er den Stein vom Grab wegrollt und seinen auferstandenen Sohn befreit. In Kürze wird er wieder mit ihm in seiner Herrlichkeit zusammensein. Er weiss, dass die Zeit gekommen ist, um seinen Geist auf jeden Wiedergeborenen auszugiessen. Er weiss, dass die Zeit der Kirche angebrochen ist, dass das Reich Gottes auf Erden angefangen hat. Bald wird er in Ewigkeit unsere Gegenwart geniessen, uns in seine Arme schliessen und uns an sein Herz drücken.
So ist der Gott, den ich kennen gelernt habe und über alles liebe.
Eines Tages habe ich sein Vaterherz wir nie zuvor kennengelernt, ich bin in ein Liebesmeer gesprungen, um darin glücklich zu ertrinken.

N. K.

Gott der Vater

Gott der Vater (auch: Gott Vater, Gottvater, der Vater Jesu Christi, der Vater) heißt im Christentum die erste Hypostase Gottes JHWHs in ihrer Beziehung