« Der Gerechte wird aus Glauben leben », ein als Christ auszulebender Grundsatz

Dieser Ausruf Habakuks ist eine Grundregel des christlichen Lebens.

Paulus zitiert ihn zwei Mal, im Römerbrief 1.17 und im Galaterbrief 3.11.

« Der Gerechte wird aus Glauben leben » Hebräer 10.32-39.

Eine Herausforderung an Christen, die versucht sind, zurückzutreten, sich zurückzuziehen, sich abzusondern.

Der Autor des Hebräerbriefs greift Habakuks Text als inspirierter Autor des Neuen Testaments auf.

Einige Angaben über den Schreiber

Die Identitât des Schreibers des Hebräerbriefs wird weder im Brief selbst, noch in den ältesten Schreiben der Frühkirche, nach dem Neuen Testament, angegeben. Er gehörte sicher zu Paulus’ Gefolgsleuten, denn er erwähnt Timotheus (13.23). Er ist aber nicht Paulus selbst, wegen eines deutlichen Unterschieds in der benutzten griechischen Sprache.

Paulus nennt sich immer am Anfang und am Ende seiner Briefe. Der Autor des Hebräerbriefs bleibt unbekannt, obwohl die angeschriebene Gemeinde ihn kannte (13.19).

Erinnert euch an die früheren Tage, als ihr nach eurer Erleuchtung manchen harten Leidenskampf bestanden habt. Ihr seid vor aller Welt beschimpft und gequält worden, oder ihr seid mitbetroffen gewesen vom Geschick derer, denen es so erging. Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und auch den Raub eures Vermögens freudig hingenommen, da ihr wußtet, daß ihr einen besseren Besitz habt, der euch bleibt.

Werft also eure Zuversicht nicht weg, die großen Lohn mit sich bringt. Was ihr braucht, ist Ausdauer, damit ihr den Willen Gottes erfüllen könnt und so das verheißene Gut erlangt.

Denn nur noch eine kurze Zeit, dann wird der kommen, der kommen soll, und er bleibt nicht aus. Mein Gerechter aber wird durch den Glauben leben; doch wenn er zurückweicht, habe ich kein Gefallen an ihm.

Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verlorengehen, sondern zu denen, die glauben und das Leben gewinnen.
Hebräer 10.32-39

Eine Krisensituation bewältigen

Christen in Rom, mit jüdischem Hintergrund, riskieren, ihren Glauben aufzugeben.

aus Glauben leben, Herausforderung, Glaube und Solidarität

Rom, die Weltstadt

Angesichts der Feindseligkeit sind sie versucht, in den Sicherheitsbereich ihres ursprünglichen Judentums zurückzukehren. Oder sie haben vielleicht keinen Kontakt mehr weder mit ihrer christlichen Gemeinschaft, noch mit Nichtchristen. So riskieren sie also jedenfalls, ihren Glauben aufzugeben.

Ein Aufruf nachzudenken, sich zu erinnern

Der Schreiber ruft sie auf, zu überlegen, sich an das Beispiel zu erinnern, das sie selbst einmal gegeben haben.

  • Erinnert euch. Er gemahnt sie an die vergangene Treue der Gemeinde (V. 32)
  • Gebt nicht auf. Dann ruft er sie zur Ausdauer auf (V. 35-39)

Diesen bedrängten Christen wird die Einhaltung von Habakuks großer  Verheißung  versprochen: « Der Gerechte wird aus Glauben leben »

Judentum, ein nur vorläufiger Sicherheitsbereich

Im römischen Kaiserreich war der jüdische Glaube eine zugelassene Religion.

aus Glauben leben, Herausforderung, Glaube und Solidarität

Der Adler, Sinnbild der römischer Macht

Diese verfolgten Christen waren bekehrte Juden. Gesellschaftlich werden sie der in Rom lebenden jüdischen Bevölkerung gleichgestellt. Für einen Christen jüdischer Abstammung war es verlockend, sich im Fall einer Verfolgung in sein ursprüngliches Judentum zurückzuziehen.

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung machte man im römischen Reich noch keinen Unterschied zwischen Juden und Christen. Das römische Gesetz gewährte den  Juden eine ziemlich günstige Rechtsstellung. Der jüdische Glaube war eine zugelassene Religion.

Alles wird aber wegen der Unruhen zwischen Juden und Christen in Frage gestellt.

Die Juden werden aus Rom verjagt.
aus Glauben leben, Herausforderung, Glaube und Solidarität

Tempel der Kaiser Claudius

Suetonus, ein lateinischer Historiker, schreibt: Da die Juden immer wieder Unruhen auf Betreiben des Chrestus – wahrscheinlich ein Bezug auf Christus- stifteten, hat sie der Kaiser Claudius im Jahr 49 aus Rom vertrieben.

Unter ihnen waren auch Aquilas und Priscilla, die Mitarbeiter des Apostels Paulus (Apostelgeschichte 18.2).

Für die römische Macht waren christliche Juden und nichtchristliche Juden ein und das Selbe. Alle werden deshalb in einen Topf geworfen und aus Rom vertrieben.

Sicher hat es Durcheinander und Unruhen gegeben zwischen Juden, die sich zum christlichen Glauben bekehrten und Juden, die sich letzteren gewalttätig widersetzten. Das sollte nicht verwundern. Mehrere Abschnitte der Apostelgeschichte berichten von Angriffen der Juden auf Paulus und die Neubekehrten.

Mut in der Verfolgung

Die Einschränkungen und Schikanen beginnen: Versammlungen werden verboten, aber die Christen jüdischer Abstammung machen trotzdem weiter. Sie werden eingesperrt, ihr Besitz wird beschlagnahmt.

Öffentlich bloßgestellt werden sie dem Spott und den Misshandlungen preisgegeben.

aus Glauben leben, Herausforderung, Glaube und SolidaritätDie Heiden beschuldigen sie schrecklicher Laster und Handlungen, wie Blutschande (so verstehen sie die brüderliche Gemeinschaft) oder Menschenfresserei (das ist für sie das Abendmahl).
Die anderen Juden werfen ihnen auch vor, an ihrer Verjagung aus Rom schuldig zu sein. Aber die Christen bleiben nicht nur fest, sie geben auch ein gutes Zeugnis der Zusammengehörigkeit mit den Verfolgten ab. Sie zeigen Mitleid, sicher in praktischer Form, mit den Eingesperrten.

Auf dem Forum, in Roms Öffentlichkeit bloßgestellt

aus Glauben leben, Herausforderung, Glaube und SolidaritätSie werden ihres Besitzes beraubt, ihre Wohnungen werden von den Justizbeamten beschlagnahmt, oder sie werden nach ihrer Einkerkerung oder ihrer Verbannung von Fremden besetzt oder sogar mutwillig zerstört. Möbel und persönliche Sachen werden gestohlen, auf die Straße gestreut, vernichtet… oder auf dem Forum, dem Stadtplatz, verkauft.

Aber diese Christen, die ihres Besitzes, ihrer irdischen Güter beraubt wurden, wissen, dass sie einen besseren Besitz (V. 34b), wertvollere Reichtümer haben, weil sie durch Christus mit Gott verbunden leben.

Vor lauter Prüfungen kommen die Entmutigung, die Versuchung des Rückzugs auf

Schließlich setzen Erschöpfung und Mutlosigkeit ein und fressen um sich

  • – Rückkehr zum Judentum, um der Verfolgung zu entkommen? Das ist kein so sicherer Weg mehr seit der vom Kaiser verordneten Verbannung.
  • – Sich bedeckt halten, sich absondern, sich zurückziehen? Ist das eine Lösung auf die Dauer?

Warnungen und Ermutigungen

Der Schreiber warnt und ermutigt die Hebräer.

Werft euer Vertrauen nicht weg, denn eine große Belohnung wartet auf euch (10.35).

Diese Gewissheit, diese Kühnheit entwickelt der Christ, indem er auf Gottes Gnade vertraut, der ihm hilft, sein Heil praktisch ausleben. Über die  Schwierigkeiten hinaus kann er sein Denken, sein Hoffen auf die versprochene ewige Belohnung richten.

Das Evangelium in einem feindseligen oder gleichgültigen Umfeld ausleben

Es heißt aber ja nicht träumen, auf das Leben im Himmel warten und auf Erden passiv bleiben. Nein, da braucht man Ausdauer, Durchhalten, Mut, trotz allem weiter zu machen und nicht alles aufzugeben. Da braucht man Kühnheit, um Christi Beispiel zu folgen, um das Wort in einem feindseligen oder gleichgültigen Umfeld weiterhin zu verkündigen.

Vergangene und gegenwärtige Verfolgungen

Damals im Zirkus in Rom zu Tode gerichtet, Dragonnaden gegen die Hugenotten in Frankreich im XVII. Jahrhundert  und heute Völkermorde, Einsperrungen, Meuchelmorde, Verfolgungen der Christen, Terroranschläge im Mittleren Osten und im Westen.

Gegenwärtige Gesinnung

Dazu kommt noch die Gesinnung der gegenwärtigen westlichen Welt: alle Arten von Spiritualität sind einander gleich : « Du hast deine Wahrheit und ich die meine ». « Jede Religion ist ebenso gut, man muss sie nur praktizieren »… Aber mäßig und so unauffällig wie möglich ! « Religion gehört in den privaten Bereich! »

Kühnheit und Ausdauer sind notwendig

Warum werden Kühnheit und Ausdauer von einer Gemeinde verlangt, die die Verwiklichung der Verheißung Gottes erwartet?

Der Schreiber erklärt es. Wie alle Autoren des Neuen Testaments zitiert er Habakuk in der griechischen Übersetzung mit einigen inspirierten Abänderungen.

Habakuk neu aufgeleg

Denn nur noch eine kurze Zeit, dann wird der kommen, der kommen soll, und er bleibt nicht aus. Mein Gerechter aber wird durch den Glauben leben; doch wenn er zurückweicht, habe ich kein Gefallen an ihm. Hebräer 10.37-38

« … für kurze Zeit » Jesaja 26.20. Ist das ein Vorwand für einen Rückzug ?

Der Schreiber des Hebräerbiefs greift zuerst Jesaja 26.20-21 auf, wo geschrieben steht :

Auf, mein Volk, geh in deine Kammern, und verschließ die Tür hinter dir! Verbirg dich für kurze Zeit, bis der Zorn vergangen ist.  Denn der Herr verläßt den Ort, wo er ist, um die Erdenbewohner für ihre Schuld zu bestrafen. Dann deckt die Erde das Blut, das sie trank, wieder auf und verbirgt die Ermordeten nicht mehr in sich. 

Diesen Abschnitt Jesajas las man beim Morgen- und Abendgebet der Frühkirche. Die in Rom verfolgten Christen mögen ihn benutzt haben, um ihren Rückzug auf sich selbst, ihre Absonderung zu rechtfertigen.

Aufruf zur Treue

Diese Haltung des Rückzugs verwirft der Schreiber des Hebräerbriefs. Er zitiert Habakuk, der Treue empfiehlt und gegen Rückzug, Rückgang warnt.

In Vertrauen und Geduld ausharren

Habakuk 2.3-4 kann man auf zwei sich ergänzende Arten auslegen :

– die Erfüllung der Vision, des Gesichts erwarten

Denn das Gesicht gilt noch für die bestimmte Zeit und eilt dem Ende zu und wird nicht trügen ; wenn es verzieht, so harre seiner, denn es wird gewiss kommen und sich nicht verspäten (Schlachter)

– den Herrn erwarten, der sicher kommen wird, selbst wenn man gedulden muss.

Diese andere Auslegung ist ebenso möglich, obwohl sie seltener in den Übersetzungen aufkommt.

Der Hebräerbrief verdeutlicht Habakuks Gesicht

Der, der kommen soll, wird kommen und sich nicht verspäten.

Der, der kommen soll, wird kommen « ὁ ἐρχόμενος ́ξει » ist eine messianische Bezeichnung Christi. Sie kündigt ein unbedingt sicheres Ereignis an : die künftige herrliche Wiederkunft des Herrn.

Treue, Fortschritt oder Rückgang

Zwei Einstellungen werden einander entgegengesetzt : die Treue, der Fortschritt und der Ausstieg, der Rückzug.

Treue : Der Gerechte wird aus seinem Glauben leben

Der Glaube kommt bei der Bekehrung auf. Er besteht dann immer fort und beweist seine Treue zu Christus in den Schwierigkeiten, im Leiden. Er hält Stand, selbst wenn keine Befreiung eintritt, wie es mehrere Glaubenshelden am Ende des Kapitels 11 bezeugen.

Ausstieg : Wer aber mutlos aufgibt, mit dem will ich nichts zut un haben (10.38).

Wer aufgibt, sich zurückzieht, ist derjenige, der strauchelt, der zusammenklappt.

Das tödliche Risiko des Rückzugs

Der Schreiber warnt diejenigen, die versucht sein könnten, dem Leiden und der Enttäuschung zu entkommen, indem sie sich auf sich selbst verschließen, sich verbergen, sich von der Gemeinde absondern. Ihm zufolge führt das direkt zum Verrat, zum Abfall.

Texte Hb 10. 39 Gute Nachricht

Wir : Der Schreiber des Briefs stellt sich neben diese bedrängten Christen. Er will sie ermutigen, ihre Treue zu Christus zu zeigen und so die Festigkeit ihres Glaubens zu sichern. Hier handelt es sich nicht um den gesetzlichen Aspekt der Rechtfertigung aus Glauben (Galater und Römer) sondern um ihre praktische Umsetzung.

Treu bleiben und das Leben gewinnen

Wie kann ein Christ seines schliesslichen Heils sicher sein, aus welchem Grund kann er hoffen, dieses Ziel zu erreichen ?

Treu bleiben und das Leben gewinnen

Hier geht es nicht um den bei der Bekehrung bezeigten Glauben. Es handelt sich um den ständig nach der Verpflichtung der Bekehrung bezeigten Glauben. Es ist eine Treue unter Spannung in allen leichten oder schweren Lebenslagen.

Diese Warnung an Christen in einer Krisenlage kann einem streng vorkommen. Aber der Autor zeigt sich gewiss, dass sie trotz allem durchhalten werden, indem sie den Glauben, die ausdauernde Treue wahren, bis sie zu ihrem Herrn geholt werden.

Eine Treue in Spannung, die Risiken eingeht

Die Risiken der Ehrlichkeit, die sich nichts vormacht

Sein Christenleben in einer festen Treue weiter zu führen, erfordert eine wohl bedachte Ehrlichkeit, die sich nicht selbst belügt. Man muss die Gefahr einsehen, müde zu werden und sogar alles fahren zu lassen, weil die Schwierigkeiten zu groß und der Druck zu heftig werden, oder einfach infolge gewisser Lebensumstände. So sind einige ihrem Auftrag gewidmete und vielversprechende Christen aus dem Verkehr verschwunden.

Der Glaube bewährt sich in der täglichen Treue, in der Festigkeit, in der Ausdauer. Ihn begleitet die feste Zuversicht in Gottes Versprechen trotz der Widrigkeiten und der Enttäuschungen.

Die Risiken angesichts der uns umgebenden Gesinnung

Der Glaube ist auch des Risikos bewusst, sich von den durch die öffentliche Meinung  auferlegten Selbstverständlichkeiten mitreißen zu lassen. Man muss aber sein Denkvermögen,  die Überlegung anwenden, um der umgebenden Gesinnung gegenüber eine christliche Haltung anzunehmen.

Glaube und Solidarität in einer leidenden Welt

Inwiefern betrifft uns heute der in Hebräer aufgegriffene Aufruf Habakuks zum Glauben ? Ein ungleicher Aufeinanderprall von zwei Zivilisationen im fernen Altertum,  Werte einer christlichen Kirche im Widerspruch zu denen der heidnischen Welt des ersten Jahrhunderts ? Dramen der Geschichte und Werteunvereinbarkeit dauern seit Jahrhunderten an. Und gehen heute noch weiter…

Diese Texte können uns persönlich ansprechen : solche tragischen Situationen haben die biblischen Autoren nicht nur beschrieben, sondern selber mit den Leidenden mitgemacht.

aus Glauben leben, Herausforderung, Glaube und Solidarität

Wasserfall neben Lake St Jean Quebec

Diese leidende Welt mit ihrem schrecklichen Drama hat derart auf Habakuks Haut geklebt, dass er aus Unverständnis und Not aufgeschrien hat.

Aber wer hat beim Anhören seiner Prophetie etwas in seinem Verhalten geändert, wer hat den Glauben an Gott, die Treue zu ihm gewählt? Man dachte, ohne Buße, ohne Weh durchzukommen. Er aber wusste, dass die Zerstörung unververmeidlich war und dass er sie auch durchmachen würde. Gott stellt er Fragen, aber er beschuldigt ihn nie.

Er schreit vor Weh, aber es sind auch Schreie des Glaubens und der Hoffnung, die angesichts aller Verzweiflungen, aller Feigheiten, aller Kompromisse ertönen, ein erschütternder Schrei : « Aus Glauben wird der Gerechte leben! »

Christ garantiert einem nicht, den Problemen und dem Unheil des Lebens zu entkommen. In der Welt gehört der Christ zu denen, die Wirtschaftskrisen, Seuchen, Kriege, Erdbeben und Terroranschläge erleiden, wenn auch etliche manchmal unverhofft verschont bleiben.

All diese Katastrophen, all dieses Leid sind Hilferufe, auf die wir antworten müssen. Nein, ein Christenleben verläuft nicht auf einer abgesicherten Insel…

Ein Christ sitzt nicht in einem Zug, der ins Jenseits unterwegs ist und nichts von der durchfahrten Welt aufnimmt. Sich von den Leidenden zu distanzieren, sie in die Kategorie der « Unbekehrten » oder der « Flüchtlinge » zu ordnen, um ihnen jede Hife zu verweigern, ist eine Schande. Achten wir auf die Bedürfnisse an materieller oder seelischer Unterstützung, an Solidarität in unserer Nähe wie auch in der Ferne ! Wir können mindestens beten, ein Wort der Ermunterung sagen, uns aber auch praktisch einsetzen. Es gibt genug christliche und andere karitative Werke, bei denen wir mithel-fen können.

Aufruf zu konstruktiver Busse

Es ist auch ein Aufruf zur Buße, aber nicht zur Busse derjenigen, die Gott nicht kennen und sich zu ihm wenden müssen, um gerettet zu werden.

Busse sollen wir tun, wir alle und auch ich, wenn ich meiner Hoffnung nicht treu bin, wenn ich in meinem Glauben wanke, weil Gott nicht nach meiner Auffassung oder meinem Wunsch geantwortet hat.

Ein Blick auf die lange Dauer, ein Aufruf, eine Verpflichtung, sich im Herrn zu freuen, ihn zu loben, anstatt über sich zu klagen.

Der Hebräerbrief, ein schmaler Weg zwischen Konformismus und Absonderung

Konformismus ?

Rückkehr zum Judentum, zur öffentlich (noch) anerkannten, aber immer weniger geduldeten Religion.

Was bleibt vom Wohlfühlbereich noch übrig ? Ja, Sie können Ihre Religion ausüben, aber… Und wenn Sie Ihre Überzeugungen etwas zu deutlich vorzeigen, werden Sie ihre heidnischen Nachbarn schon wieder zur Vernunft bringen, indem sie Ihren Besitz ausplündern oder noch schlimmer…

Konformismus : sich in die Unzahl der « –ismen » verdünnen, versenken. Setzen Sie vor das –ismus, was ihnen beliebt. Den –ismus auswechseln ohne Bekehrung zu Christus. Man kommt in einem –ismus zur Welt, bleibt darin, stirbt darin, ohne einmal nach dem Warum zu fragen.

Anpassung an die Werte der Mehrheit, des Pluralismus der heutigen Zeit ! Heute wird viel seltener gesagt : « Ich glaube nur an den Fortschritt der Menschheit » Jetzt hört man eher : « Man nehme eine Handvoll christliche Spiritualität, etwas Hinduismus, geben Sie etwas Esoterik dazu und verdünnen Sie das Ganze in einer kleinen Sauce Religionsausübung… »

Absonderung, Gesinnung einer belagerten Festung

Keine gesellschaftliche Beziehungen zu « Weltmenschen! », wie etliche so sagen. Als ob ein Christ auf einem besonderen Planeten leben würde und nicht in der Welt, die Christus so sehr geliebt hat, dass er zu ihrer Errettung gestorben ist. Solche Absonderung erspart einem, mit Werten konfrontiert zu werden, die man nicht gutheißt, die nicht die seinen sind. Wie kann man dann aber dieser undifferenzierten Masse « Weltmenschen » seinen Glauben » bezeugen ?

Täuschen wir uns nicht ! Die christlichen Traktate unter all den Reklameblättern in den Briefkästen bringen nicht viel, besonders in unseren westlichen Ländern. Die christlichen Kalender werden vielleicht gelesen, aber dabei bleibt es oft. Die Webseiten bieten die Gelegenheit, sich zu informieren, erlauben aber auch, sich herauszuhalten.

Wie kann man dann ein echtes Zeugnis mit der Gesinnung einer belagerten Festung vorbringen? Mit Bibelversen um sich werfen… Vor Leuten, die man nicht kennen lernen will ?

Keine Evangelisation ohne direkten Kontakt. Lieber ein Lebenszeugnis !

Evangelisation ohne personlichen Kontakt und ohne Begleitung kann kaum etwas fruchten. Nur ein Zeugnis christlichen Lebens, das sich die Mühe gibt, mit den Leuten Kontakt aufzunehmen, das Verständnis für ihre Interessen, ihre Sorgen, ihre Ängste zeigt, macht ihnen Lust, mehr zu erfahren.

Solch ein Lebenszeugnis ist einem jeden möglich, je nach seinen Fähigkeiten und seiner freien Zeit.

Einige freundschaftliche Beziehungen im Viertel, im Dorf oder in der Stadt. Beteiligung an Aktivitäten, die den Kontakt mit Nichtchristen ermöglichen : erholende oder sportliche Treffen oder Ferienaufenthalte…

Für sich selbst die Grundlagen des christlichen Glaubens festlegen : vor allem Fleischwerdung, Tod une Auferstehung Christi. Wissen, warum man Christ werden wollte.

Und das dann vertiefen… Seinen Glauben mit einfachen, natürlichen Worten erklären können. Damit wird das Zeugnis lebendig, kreativ, auf die Dauer verbindlich und achtet auf die Person. Die Götzen des Pluralismus halten vor Christi Kreuz nicht Stand und man braucht oft lange Stunden Geduld und Freundschaft, bis es angenommen wird. Und manchmal können Jahre vergehen, bevor eine echte Veränderung sichtbar wird. Ein Risiko, das man eingehen muss, eine Herausforderung an jeden von uns, und besonders an mich.

C.S.